Guten Tag, Justin Sonder!

10. November 2024

Ab heute kann man neben Justin Sonder auf einer Bank auf dem Chemnitzer Brühl, gegenüber der Rosa-Luxemburg-Grundschule, Platz nehmen. Dem Auschwitzüberlebenden, Antifaschisten und eindringlichen Mahner für Toleranz und Mitmenschlichkeit wurde ein Denkmal gesetzt. Die Enthüllung der Skulptur fand am 9. November in Anwesenheit von Familienmitgliedern, dem Altbundespräsidenten Christian Wulff sowie Sachsen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, dem  Oberbürgermeister Sven Schulze und vielen Bürgerinnen und Bürgern statt. 

Auf Initiative des Vorsitzenden des Internationalen Auschwitzkomitees Christoph Heubner und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Chemnitz und VVN-BdA Chemnitz wurde die „Bank für Justin Sonder“ durch die Rostocker Künstlerin Julia Kausch und dem Chemnitzer Steinmetz Till Apfel geschaffen. Ermöglicht wurde dies auch durch viele Spenderinnen und Spendern, der Stadt Chemnitz sowie dem Freistaat Sachsen.

Justin Sonder wurde am 18. Oktober 1925 in Chemnitz geboren, wurde von den Faschisten am 27. Januar 1943 verhaftet und nach Auschwitz deportiert, später nach Sachsenhausen und anschließend nach Flossenbürg. Am 16. April 1945 ging es auf einen Todesmarsch und kurz darauf die Befreiung durch amerikanische Soldaten.
Justin Sonder kehrte nach Chemnitz zurück und beteiligte sich aktiv am Aufbau einer antifaschistischen Ordnung. Er wurde Mitglied der SPD – SED und arbeitete bis zum Rentenalter als Kriminalist. Engagiert und selbstlos widmete er sich bis zu seinem Tode

am 3. November 2020 der antifaschistischen Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit. Er setzte sich unermüdlich in Wort und Tat für Toleranz und Humanismus im gesellschaftlichen Miteinander ein. Als unermüdlicher Zeitzeuge war er weit über sein 90. Lebensjahr hinaus in Schulen und auf Veranstaltungen unterwegs und wurde somit zum  Sinnbild einer Menschenfreundlichkeit, die dem antisemitischen Hass entgegensteht.
Nun hat der stets bescheidene Ehrenbürger einen würdigen und immerwährenden Platz im Herzen von Chemnitz gefunden.

(Publikation: Chemnitz – Auschwitz -Chemnitz, Aus dem Leben von Justin Sonder; Margitta Zellmer)

Raimon Brete