Zum bevorstehenden Weltfriedenstag 1. September – Setzt ein Zeichen!
12. Juni 2026
„Wenn die Macht der Liebe über die Liebe zur Macht siegt, wird die Welt Frieden finden.“ (Jimmy Hendrix)
Eine gute Einleitung für Gedanken zum bevorstehenden Weltfriedenstag.
Ist dieser Begriff überhaupt noch geläufig? Weltfriedenstag…?
Können die Bürgerinnen/Bürger damit noch etwas anfangen? Es wäre wichtiger denn je, denn wir befinden uns in einer nie dagewesenen Rüstungsspirale und einer Kriegshysterie, die es seit dem Zweiten Weltkrieg so noch nicht gegeben hat. Kriegsherde in aller Welt…
Schon nach dem Ersten Weltkrieg hatten pazifistische Friedensorganisationen in Deutschland dazu aufgerufen, jährlich am Tag des Kriegsbeginns an die Leiden der Menschen zu erinnern, die im Krieg zu Tode kamen, verwundet wurden, psychische Folgen mit sich trugen.
Der Versuch, die Menschen für die Durchsetzung eines dauerhaften Friedens zu gewinnen, war angesichts der Übermacht kapitalistisch-imperialistischer Kräfte und ideologischer, faschistischer Verblendung nicht lange erfolgreich. Schon bald träumten deutsche Imperialisten wieder von Weltmacht und Eroberungen.
Der vor 87 Jahren begonnene Eroberungs- und Vernichtungskrieg, der sich zum Weltkrieg entwickelte, war und ist in Charakter und Ausmaß singulär.
Nie wieder!
Vielfach und vielerorts haben sich die Überlebenden des Schreckens und die Nachgeborenen geschworen: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus.
Ich gehöre zu den unmittelbaren Nachgeborenen und habe diese Zeit neu entstehender Hoffnung, der Ergründung der Ursachen solcher inhumanen Machtentfesselung und ihrer Beseitigung und das Suchen nach friedlichen Wegen miterlebt.
In der damaligen sowjetischen Besatzungszone beging schon am 1. September 1946 die Jugend einen „Weltfriedenstag der Jugend“, und zu Beginn der fünfziger Jahre wurde in der DDR der 1. September zum Weltfriedenstag erklärt. Medial, kulturpolitisch und im Bildungswesen wurde dieser Tag genutzt, um an die Schrecken der Kriege zu erinnern und in Veranstaltungen den Friedenswillen zu postulieren.
Antikriegstag
In der Bundesrepublik wurde erstmals 1957 der Kriegsbeginn vom 1. September 1939 durch den DGB mit Friedensaktionen unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ öffentlich als Aktionstag ins Leben gerufen. Fortan wurde dieser „Antikriegstag“ von Friedensinitiativen und -gruppen begangen. Ausgangspunkt war die beginnende Aufrüstung – sie warnten also vor der Militarisierung im eigenen Land.
Nach dem Ende des Kalten Krieges war der 1. September ein Datum von gesamtdeutscher Bedeutung geworden. Politische und staatliche Institutionen fanden Wege, an Verträge, Vereinbarungen, Abkommen zu erinnern, die in den Jahren der Entspannung zwischen den globalen Mächten und ihren Verbündeten getroffen worden waren. Das Anliegen dieser Vereinigungen und Institutionen war, gemeinsam dafür einzustehen und politisch Verantwortliche daran zu erinnern: Wir wollen nie wieder Krieg, sondern friedliche Konfliktlösungen!
Friedenskräfte heute
Solches Zusammenstehen und -gehen ist derzeit umso wichtiger geworden, als wir direkt vor unserer Haustür und weltweit unzählige Konfliktherde und Kriege feststellen. Noch nie seit 1945 war die Gefahr eines Weltbrandes so groß wie jetzt. Noch nie wurden menschliche, ökologische, ökonomische Ressourcen so schamlos und direkt für Rüstung und deren Nutzung in Konflikten und Kriegen gebraucht und missbraucht.
Die Frage ist: Wo ist die organisierte Gegenkraft? Wo ist sie in Deutschland, in Europa, weltweit? Wo ist sie vor allem in den ostdeutschen Ländern?
Sind sich progressive, friedliebende Parteien der Bedeutung von pluralen Friedenskräften bewusst und vermögen sie zu bündeln? Sind sie in der Lage, selbst in der Frage von Friedensbereitschaft aufeinander zuzugehen und zu erkennen, dass Details im Interesse des großen Zieles „Frieden“ mitunter nicht so wichtig sind, um zum Zankapfel zu werden?
Für Orte des Friedens
Natürlich – als Marxistin führe ich das obige Zitat von Jimmy Hendrix gedanklich weiter, denn ich weiß, dass es letztlich darum geht, die Ursachen für die Gier nach wirtschaftlicher und territorialer Macht zu beseitigen.
Aber zunächst und in dieser Zeit geht es darum, mit Diplomatie, mit Verhandlungen Interessensausgleiche hinzubekommen., die die Basis für ein friedliches Nebeneinander und Miteinander in Europa, in der Welt werden könnten.
Dafür braucht es angesichts der gegenwärtigen Politik starken Gegenwind, den ich leider nicht wahrnehme. Die bisherigen, über die Jahre geretteten Aktionen zum Weltfriedenstag sind kaum noch spürbar, sind kraftlos geworden – oder es organisiert sie keiner mehr.
Der Staat sieht sich nicht in dieser Verantwortung: im Gegenteil, er ist Teil des Problems.
Deshalb mein Wunsch an alle, die noch Kraft und Einsicht haben: Schließt Euch zusammen mit Menschen, die friedlichen, guten Willens sind und setzt wenigstens zum Weltfriedenstag ein Zeichen: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!
Macht Euren Ort, Euren Verein, Euren Klub, Eure Schule… zu Orten des Friedens und gewinnt Menschen, sich mutig für Frieden einzusetzen, für Abrüstung, gegen die Gesetze für Wehrdienst und Wehrpflicht – es gibt genug zu tun!
Regina Schulz, VVN-BdA Ortsgruppe Hoyerswerda/Kamenz, Mitglied der Allianz „Schwerter zu Pflugscharen“ und Mitinitiatorin der Initiative „Ort des Friedens“
