Justin Sonder (1925-2020) gestorben

5. November 2020

+++ letzter Auschwitz-Überlebender in Reihen des VVN-BdA Sachsen und Ehrenbürger der Stadt Chemnitz +++ VVN-BdA würdigt sein Leben im Zeichen des antifaschistischen Kampfes +++

„Begreifbar machen, wohin Nationalsozialismus und Rassismus führen – das war Justins Anliegen bis zum Schluss. Nach seinem Tod sind wir tieftraurig über den Verlust, in Gedanken bei seinen Angehörigen und dennoch auch Dankbar für all das, was Justin für den antifaschistischen Kampf getan hat.“ erklärt Silvio Lang, 1. Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Sachsen e.V. zum gestrigen Tode Justin Sonders. Sonder (18.10.1925-03.11.2020) wurde als Kind jüdischer Eltern 1943 von den Nazis aus Chemnitz zunächst nach Hellerberg, später nach Auschwitz deportiert. Er überlebte das Vernichtungslager, mehrere Todesmärsche und das KZ Flossenbürg, bevor er von Soldaten der US-Armee im April 1945 befreit wurde. Justin Sonder war Kamerad der VVN-BdA Sachsen und gehörte zu den Mitbegründern der VVN-BdA im Jahr 1990 nach deren Auslösung in der DDR 1953. Sonder war Mitglied im ersten Landesvorstand der VVN-BdA nach der Wiedergründung. Sonder, Ehrenbürger der Stadt Chemnitz und Träger der Ehrenmedaille des Internationalen Auschwitz-Komitees, ging bis ins hohe Alter regelmäßig in Schulen überall in Sachsen und darüber hinaus und sprach vor den Schülerinnen und Schülern über sein Leben und den Holocaust. „Es gibt kaum eine wirksamere Prävention gegen rechte Ideologie, als aus erster Hand zu erfahren, was Nationalsozialismus und Faschismus Menschen angetan haben. Zu welchem Leid und millionenfachem Tod sie führten. Justin Sonder konnte davon aus eigenem Erleben berichten und er tat es unermüdlich, solange seine Gesundheit es zuließ. Er hat vor Generationen von Schülerinnen und Schülern vor allem in Sachsen gestanden und einen nicht hoch genug zu würdigenden Beitrag dazu geleistet, dass sich Geschichte nicht wiederholen möge. Das Auschwitz nie wieder sei – das war Justins wichtigstes Anliegen.“ so Lang weiter. „Wer ihn dabei kennen lernen durfte, hat einen stets wachen Geist, einen sympathischen Menschen, einen mitreißenden Erzähler aber nie einen von den ertragenen Leiden gebrochenen Menschen erlebt. Diesen Triumph gönnte der seinen Peinigern nicht. Bis zuletzt war er vielmehr glühender Antifaschist, setzte seine Kraft und Zeit ein für das Erinnern, das Mahnen und den Kampf gegen die Wiedergänger der Ideologie, die zu seiner Deportation nach Auschwitz geführt hatte.

Die VVN-BdA Sachsen verliert mit Justin Sonder nicht nur den letzten Auschwitz-Überlebenden aus unseren Reihen, wir verlieren einen Kameraden. Einen Kämpfer gegen den Faschismus, einen Zeitzeugen, aber auch für viele von uns einen Freund und langjährigen Wegbegleiter. Wir sind in tiefer Trauer und in Gedanken bei seinen Angehörigen. Neben der Trauer aber empfinden wir Dankbarkeit, für all die Zeit und all das Engagement, das Justin im Sinne des gemeinsamen Zieles unserer Vereinigung investiert hat: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“