Erklärung des Bundesausschuss der VVN-BdA: Wer mit Nazis marschiert, hat nichts kapiert!

30. April 2025

Der Bundesausschuss der VVN-BdA hat anlässlich der Ereignisse in Torgau folgende Erklärung verabschiedet:

„Wer mit Nazis marschiert, hat nichts kapiert!

Für die VVN-BdA gilt immer: Alte und neue Nazis werden bekämpft. Von Anfang an forderte die VVN-BdA das Verbot neofaschistischer Organisationen und Parteien. Eine auch nur irgendwie geartete Zusammenarbeit mit neofaschistischen Gruppierungen oder auch nur ihre Akzeptanz und Toleranz auf Demonstrationen verbietet sich von selbst. Sie ist eine Verhöhnung all jener, die gegen die Nazis Widerstand leisteten, in den KZs unter Folter und Entbehrung litten. Wer mit Nazis auf Demonstrationen gemeinsam marschiert, beleidigt die Lebensleistung der Gründerinnen und Gründer der VVN-BdA, die nach der militärischen Niederschlagung des Faschismus eine dezidiert antifaschistische Organisation aufbauten.

Wir sind deshalb empört, dass in Torgau am 26. April Personen mit Fahnen der VVN-BdA an vermeintlichen Friedensdemonstrationen teilnahmen, an denen auch für alle deutlich erkennbare und leicht zu identifizierende neofaschistische Gruppen wie die „Freien Sachsen“ beteiligt waren und deren Präsenz widerspruchslos akzeptiert wurde.

Wir danken der sächsischen Landesvereinigung, die kurz nach Bekanntwerden der scheußlichen Bilder aus Torgau, auf denen VVN-BdA Fahnen und Fahnen der „Freien Sachsen“ unweit voneinander zu sehen sind, ein klares antifaschistisches Statement abgab und sich eindeutig von den Personen mit den Fahnen der VVN-BdA distanzierte.

Wir möchten den Personen, die in Torgau in völliger Eintracht mit Neonazis marschierten, Folgendes mitgeben:
Ihr habt das Ansehen der VVN-BdA als älteste antifaschistischen Organisation in Deutschland schwer beschädigt. Wer mit Nazis marschiert, sollte sofort aus der VVN-BdA austreten und nie wieder unsere Fahnen und Logos benutzen.

Bundesausschuss der VVN-BdA vom 30.04.25″

Offener Brief an die Vorsitzenden der demokratischen Parteien im Sächsischen Landtag*

28. April 2025

Mit größtem Unverständnis mussten wir erfahren, dass seitens der sächsischen Staatsregierung im Haushaltsentwurf für 2025/26 die Mittel für den weiteren Ausbau der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg gestrichen wurden. 1933 wurden in keiner anderen Region Deutschlands so viele frühe Konzentrationslager eingerichtet wie in Sachsen. Heute ist Sachsen bundesweit das einzige Flächenland ohne eine KZ-Gedenkstätte. Konzentrations- bzw. Vernichtungslager waren wie der brutale Angriffskrieg auf andere Länder die abscheulichsten Verbrechen des deutschen Faschismus. Daran muss immer wieder erinnert werden. Es ist wichtig, dass Sachsen nun den 8. Mai zum Gedenktag zum Tag der Befreiung von Nationalsozialismusund Krieg am 8. Mai 1945 beschlossen hat. Aber was ist ein Gedenktag ohne Gedenkorte? Wir müssen Sieaus Verantwortung für die Geschichte sowie im mahnenden Erinnern an unsere Vorfahren, die im KZ Sachsenburg inhaftiert, gefoltert und zum Teil umgebracht wurden, auffordern, diesen Ansatz der Staatsregierung zu korrigieren. Der Ausbau der Gedenkstätte muss weitergehen! Gerade in der heutigen Zeit ist alles andere ein fatales Zeichen.

Wir stehen Ihnen auch gern als Gesprächspartnerinnen zur Verfügung! Mit antifaschistischen Grüßen

Kerstin Köditz, 1. Landessprecherin der VVN-BdA

Gisela Heiden, Vorsitzende der Lagergemeinschaft KZ Sachsenburg und 1. Sprecherin des Gesellschaftlichen Beirates Gedenkstätte KZ Sachsenburg

*Für die Unterzeichnerinnen ist die AfD keine demokratische Partei, sie ist als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft.

Antwort der Landtagsfraktion der Linken auf unseren offenen Brief:

Antwort der CDU Landtagsfraktion auf unseren offenen Brief:

Die Errichtung der Gedenkstätte KZ Sachsenburg wird von Bund und Land gemeinsam finanziert und durch die Stadt Frankenberg umgesetzt. Der Bund fördert diese Maßnahme über Mittel aus der Gedenkstättenkonzeption des Bundes in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen hatte der Stadt Frankenberg die gleiche Summe aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR (sog. PMO-Mittel, 6. Tranche) in Aussicht gestellt. Bitte beachten Sie, dass diese Mittel nur bis zum 31.12.2025 verwendet werden können.

Verzögerungen bei der Planung der Errichtungsmaßnahme haben dazu geführt, dass das Projekt insgesamt nicht mehr im Zeitplan liegt. Ein Abschluss der Gesamtmaßnahme bis Ende 2025 ist daher nicht realistisch. Um die Verwendung der PMO-Mittel für die Finanzierung des Projektes sicherzustellen, wurde zwischen SMWK, BKM und der Stadt Frankenberg vereinbart, die Gesamtmaßnahme in zwei Bauabschnitte zu unterteilen. Der erste Bauabschnitt wird bis Ende 2025 abgeschlossen sein und konnte deshalb vollständig aus den PMO-Mitteln des Freistaats Sachsen i. H. v. 1,5 Mio. € finanziert werden. Die Maßnahme umfasst die folgenden Punkte:

  • Errichtung einer Installation auf dem Fundament der ehemaligen Kommandantenvilla und Gestaltung des Villengeländes,
  • Ertüchtigung und infrastrukturelle Anpassung der Außenanlage der künftigen Gedenkstätte, einschließlich der Reparatur der Brücke über den Mühlgraben, Verbesserung der Gehwege und Bau eines neuen Parkplatzes,
  • Restaurierung einer historischen Stützmauer mit einer einzigartigen Betoninschrift, die von den Häftlingen des Lagers angefertigt wurde.

Im Anschluss an die Errichtung der Gedenkstätte KZ Sachsenburg ist der Umbau der sogenannten Kommandantur zu einem Gedenkstättengebäude vorgesehen. Dieser Teil der Maßnahme (Bauabschnitt 2) muss nunmehr gemeinsam von Bund und Land finanziert werden, da die von der BKM zur Verfügung gestellten 2,5 Mio. € dafür nicht ausreichen.

Da der Freistaat Sachsen für diesen Bauabschnitt keine PMO-Mittel mehr verwenden kann, muss der Landesanteil aus Haushaltmitteln finanziert werden. Aufgrund der derzeit schwierigen Haushaltslage im Freistaat Sachsen war es nicht möglich, die erforderlichen Mittel für den 2. Bauabschnitt zur Errichtung der Gedenkstätte KZ-Sachsenburg in den Regierungsentwurf zum Doppelhaushalt 2025/26 aufzunehmen. Nach aktuellem Stand können die Finanzierung und der Beginn dieses Bauabschnitts nicht wie geplant realisiert werden. Die Verzögerungen sind vor allem darauf zurückzuführen, dass es zu wiederholten Umplanungen kam. Dies führte zu einer Verlängerung des Planungsprozesses und damit zu den Schwierigkeiten der vollumfänglichen Nutzung der PMO-Mittel.

Die Nicht-Berücksichtigung des Vorhabens im Regierungsentwurf bedeutet nun keinesfalls die Aufgabe des Projektes. Die Errichtung der Gedenkstätte KZ Sachsenburg ist das gemeinsame Ziel des Freistaates Sachsen, des Bundes und der Stadt Frankenberg. Das SMWK wird sich kurzfristig mit dem Bund über die Möglichkeiten einer flexibleren Mittelbereitstellung oder Umplanungen im Projekt verständigen. Die Abgeordnete Iris Firmenich ist seit Jahren in diesen Prozess involviert und begleitet das gesamte Vorhaben intensiv und wird dies auch weiterhin tun. Dies gilt natürlich auch für das laufende Haushaltsverfahren.

Die Koalition verfügt – wie Sie sicherlich wissen – nicht über die erforderliche Mehrheit, um den Haushalt aus eigener Kraft zu beschließen. Das bedeutet, dass wir in sämtlichen Punkten auf die Stimmen der Opposition angewiesen sind. Die Koalitionsfraktionen CDU und SPD haben gemeinsam entschieden, auf ein eigenes Budget im parlamentarischen Haushaltsverfahren zu verzichten. Stattdessen wurde der Beschluss gefasst, eigene Mittel aus dem Haushaltsresteverfahren der Opposition zur Verfügung zu stellen. Der genannte Betrag beläuft sich auf etwa 80 Millionen Euro. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, auf welche Vorhaben man sich mit der Opposition einigen wird.

Ein dreifaches Hoch auf Justin!

24. April 2025

Am 23. April, Nachmittag um 15 Uhr, wurde die Kaffeetafel für den Ehrenbürger Justin Sonder gedeckt und über 100 Chemnitzerinnen und Chemnitzer kamen zur Feier. In aufgeschlossener Runde wurden Erinnerungen an einen wunderbarem Menschen ausgetauscht oder auch Fragen nach seinem Lebensweg sowie seiner antifaschistischen Arbeit beantwortet. 

Justin Sonder wurde am 23. April  1945, nachdem er jahrelangem in Konzentrationslagern eingesperrt war, auf dem Todesmarsch im kleinen Örtchen Wetterfeld von US-Soldaten befreit und feierte diesen Tag als seinen „Zweiten Geburtstag“. Dem möchten die Mitglieder des VVN-BdA Chemnitz eine Zukunft  und Erinnerungsstätte geben. Bei Kaffee, Kuchen und einem dreifachen Hoch wurde Justin Sonder gefeiert und seinem Leben an der „Erinnerungsbank“ auf dem Chemnitzer Brühl gedacht.

Anschließend besuchten „Geburtstagsgäste“ das neu geschaffenen Wandbild „Justin Sonder“ am Giebel des Hauses auf der Glockenstraße 2.

(Chemnitz-Auschwitz-Chemnitz, „Aus dem Leben von Justin Sonder“; Margitta Zellmer)

von Raimon Brete, VVN-BdA Chemnitz e.V.

Gedenken am VVN-Denkmal in Pirna

12. April 2025

Im Rahmen der Klausur des Landesvorstands des VVN-BdA Sachsen e.V. in Pirna vom 11.04.2025 bis 12.04.2025 fanden wir natürlich auch die Zeit für ein ehrendes Erinnern am VVN-Denkmal auf der Grohmannstraße. Die Mitglieder des Landesvorstands und Gäste legten in einem würdigen Rahmen und stillem Gedenken Blumen am Denkmal nieder. Damit zeigen wir unseren Respekt gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus sowie den Menschen im damaligen Widerstandskampf. Wir erinnern außerdem an die Verbrechen, hier in Pirna insbesondere an die in der NS-Tötungsanstalt Sonnenstein verübten.Gerade in dieser Zeit ist es unserer Meinung nach sehr wichtig, daran zu erinnern, was Faschismus und somit menschenverachtende Politik anrichten können.

Für uns ist klar: „NIE WIEDER“!

Angehörigentreffen und Gründung der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein

31. März 2025

Am Wochenende um den 29. März 2025 luden wir Angehörige ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Hohnstein zu einem Treffen auf der Burg Hohnstein.

Die frühere Jugendburg wurde am 8. März 1933 durch die SA besetzt. Der damalige Burgleiter Konrad Hahnewald wurde verhaftet und eines der ersten Konzentrationslager im Deutschen Reich eingerichtet. Bis August 1934 wurden hier rund 5600 Häftlinge eingesperrt und routinemäßig schwerst gefoltert. Sie wurden zu schwerer körperlicher Arbeit in und um Hohnstein gezwungen wie dem Ausbau der Wartenbergstraße, dem Bau des Freibades Rathewalde und des Sportplatzes Hohnstein sowie an zahlreichen anderen Orten. Mehrere Gefangene wurden im KZ Hohnstein ermordet, in den Tod getrieben oder starben an den Folgen der Haft, unter ihnen die Kommunisten Kurt Glaser und Martin Hering. An beide Todesopfer wurde auf Initiative von ehemaligen Häftlingen nach 1945 auch mit Gedenktafeln auf der Burg erinnert.

Auch ihre Nachkommen befanden sich unter den 24 Angehörigen von 14 ehemaligen Häftlingen, die nun am 29. März 2025 aus mehreren Bundesländern auf der Burg Hohnstein zusammenkamen. Auch die Enkelin des Gründers der Jugendburg Hohnstein Konrad Hahnewald und die Tochter der Malerin Eva Schulze-Knabe waren unter ihnen.

Zunächst wurden die Biografien der ehemaligen Häftlinge vorgestellt und die Geschichte des KZ Hohnstein erinnert. Begrüßt wurden die Anwesenden außerdem durch den Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Daniel Hujer, der die Bedeutung des neuen Zusammenschlusses und der Erinnerung an das KZ betonte.
Während eines Gedenkens an der Stele vor der Burg legten die Teilnehmenden Blumen in Erinnerung an das KZ Hohnstein ab, und die Vorsitzende der LAG Sachsenburg Gisela Heiden überbrachte einen Gruß vom Netzwerk der Lagerarbeitsgemeinschaften.

Am Nachmittag wurde im Beisein weiterer Engagierter dann die Lagerarbeitsgemeinschaft (LAG) KZ Hohnstein gegründet. Sie versteht sich als Zusammenschluss von Angehörigen ehemaliger Häftlinge und weiteren Interessierten, die sich für die Erinnerung an das KZ Hohnstein, einschließlich seiner Vor- und Wirkungsgeschichte, einsetzen. Weitere Angehörige ehemaliger Häftlinge sind zur Mitarbeit in der LAG herzlich eingeladen. Interessierte Menschen können sich vorerst über die E-Mail-Adresse burghohnstein@akubiz.de melden.

Es ist die zweite Lagerarbeitsgemeinschaft, die in Sachsen gegründet wurde. Bereits 2009 schlossen sich Engagierte zur LAG KZ Sachsenburg zusammen in Erinnerung an das Frühe KZ in der Nähe von Frankenberg.

Die Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft Hohnstein setzen sich ein für einen angemessenen Gedenk- und Erinnerungsort, die fortgesetzte Nutzung der Burg Hohnstein als Ort der Begegnung und Bildung, eine entschiedene Sichtbarmachung der Geschichte zwischen 1924 und 1945 auf der Burg, die wissenschaftlich fundierte Darstellung und fortlaufende Aktualisierung der historischen Informationen und einen sensiblen Umgang mit den vorhandenen Erinnerungsorten und -stücken sowie ihrer Erhaltung. In den kommenden Jahren soll die Burg Hohnstein aufwendig restauriert und ein Ausstellungspfad geschaffen werden. Zu diesen Plänen veröffentlichte AKuBiZ bereits eine umfassende Kritik.

Wir suchen weiterhin  Erinnerungen an die Burg Hohnstein als Erinnerungs- und Gedenkort. Geplant ist die Veröffentlichung einer Chronik über die Geschichte des Gedenkens und Erinnerns an das KZ seit 1945.
https://slag-aus-ns.de/zitate/burg-hohnstein-zeitzeugnisse-gesucht/

Katharina Wüstefeld und Steffen Richter (AKuBiZ e. V.)

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