Ein dreifaches Hoch auf Justin!

24. April 2025

Am 23. April, Nachmittag um 15 Uhr, wurde die Kaffeetafel für den Ehrenbürger Justin Sonder gedeckt und über 100 Chemnitzerinnen und Chemnitzer kamen zur Feier. In aufgeschlossener Runde wurden Erinnerungen an einen wunderbarem Menschen ausgetauscht oder auch Fragen nach seinem Lebensweg sowie seiner antifaschistischen Arbeit beantwortet. 

Justin Sonder wurde am 23. April  1945, nachdem er jahrelangem in Konzentrationslagern eingesperrt war, auf dem Todesmarsch im kleinen Örtchen Wetterfeld von US-Soldaten befreit und feierte diesen Tag als seinen „Zweiten Geburtstag“. Dem möchten die Mitglieder des VVN-BdA Chemnitz eine Zukunft  und Erinnerungsstätte geben. Bei Kaffee, Kuchen und einem dreifachen Hoch wurde Justin Sonder gefeiert und seinem Leben an der „Erinnerungsbank“ auf dem Chemnitzer Brühl gedacht.

Anschließend besuchten „Geburtstagsgäste“ das neu geschaffenen Wandbild „Justin Sonder“ am Giebel des Hauses auf der Glockenstraße 2.

(Chemnitz-Auschwitz-Chemnitz, „Aus dem Leben von Justin Sonder“; Margitta Zellmer)

von Raimon Brete, VVN-BdA Chemnitz e.V.

Gedenken am VVN-Denkmal in Pirna

12. April 2025

Im Rahmen der Klausur des Landesvorstands des VVN-BdA Sachsen e.V. in Pirna vom 11.04.2025 bis 12.04.2025 fanden wir natürlich auch die Zeit für ein ehrendes Erinnern am VVN-Denkmal auf der Grohmannstraße. Die Mitglieder des Landesvorstands und Gäste legten in einem würdigen Rahmen und stillem Gedenken Blumen am Denkmal nieder. Damit zeigen wir unseren Respekt gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus sowie den Menschen im damaligen Widerstandskampf. Wir erinnern außerdem an die Verbrechen, hier in Pirna insbesondere an die in der NS-Tötungsanstalt Sonnenstein verübten.Gerade in dieser Zeit ist es unserer Meinung nach sehr wichtig, daran zu erinnern, was Faschismus und somit menschenverachtende Politik anrichten können.

Für uns ist klar: „NIE WIEDER“!

Angehörigentreffen und Gründung der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein

31. März 2025

Am Wochenende um den 29. März 2025 luden wir Angehörige ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Hohnstein zu einem Treffen auf der Burg Hohnstein.

Die frühere Jugendburg wurde am 8. März 1933 durch die SA besetzt. Der damalige Burgleiter Konrad Hahnewald wurde verhaftet und eines der ersten Konzentrationslager im Deutschen Reich eingerichtet. Bis August 1934 wurden hier rund 5600 Häftlinge eingesperrt und routinemäßig schwerst gefoltert. Sie wurden zu schwerer körperlicher Arbeit in und um Hohnstein gezwungen wie dem Ausbau der Wartenbergstraße, dem Bau des Freibades Rathewalde und des Sportplatzes Hohnstein sowie an zahlreichen anderen Orten. Mehrere Gefangene wurden im KZ Hohnstein ermordet, in den Tod getrieben oder starben an den Folgen der Haft, unter ihnen die Kommunisten Kurt Glaser und Martin Hering. An beide Todesopfer wurde auf Initiative von ehemaligen Häftlingen nach 1945 auch mit Gedenktafeln auf der Burg erinnert.

Auch ihre Nachkommen befanden sich unter den 24 Angehörigen von 14 ehemaligen Häftlingen, die nun am 29. März 2025 aus mehreren Bundesländern auf der Burg Hohnstein zusammenkamen. Auch die Enkelin des Gründers der Jugendburg Hohnstein Konrad Hahnewald und die Tochter der Malerin Eva Schulze-Knabe waren unter ihnen.

Zunächst wurden die Biografien der ehemaligen Häftlinge vorgestellt und die Geschichte des KZ Hohnstein erinnert. Begrüßt wurden die Anwesenden außerdem durch den Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Daniel Hujer, der die Bedeutung des neuen Zusammenschlusses und der Erinnerung an das KZ betonte.
Während eines Gedenkens an der Stele vor der Burg legten die Teilnehmenden Blumen in Erinnerung an das KZ Hohnstein ab, und die Vorsitzende der LAG Sachsenburg Gisela Heiden überbrachte einen Gruß vom Netzwerk der Lagerarbeitsgemeinschaften.

Am Nachmittag wurde im Beisein weiterer Engagierter dann die Lagerarbeitsgemeinschaft (LAG) KZ Hohnstein gegründet. Sie versteht sich als Zusammenschluss von Angehörigen ehemaliger Häftlinge und weiteren Interessierten, die sich für die Erinnerung an das KZ Hohnstein, einschließlich seiner Vor- und Wirkungsgeschichte, einsetzen. Weitere Angehörige ehemaliger Häftlinge sind zur Mitarbeit in der LAG herzlich eingeladen. Interessierte Menschen können sich vorerst über die E-Mail-Adresse burghohnstein@akubiz.de melden.

Es ist die zweite Lagerarbeitsgemeinschaft, die in Sachsen gegründet wurde. Bereits 2009 schlossen sich Engagierte zur LAG KZ Sachsenburg zusammen in Erinnerung an das Frühe KZ in der Nähe von Frankenberg.

Die Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft Hohnstein setzen sich ein für einen angemessenen Gedenk- und Erinnerungsort, die fortgesetzte Nutzung der Burg Hohnstein als Ort der Begegnung und Bildung, eine entschiedene Sichtbarmachung der Geschichte zwischen 1924 und 1945 auf der Burg, die wissenschaftlich fundierte Darstellung und fortlaufende Aktualisierung der historischen Informationen und einen sensiblen Umgang mit den vorhandenen Erinnerungsorten und -stücken sowie ihrer Erhaltung. In den kommenden Jahren soll die Burg Hohnstein aufwendig restauriert und ein Ausstellungspfad geschaffen werden. Zu diesen Plänen veröffentlichte AKuBiZ bereits eine umfassende Kritik.

Wir suchen weiterhin  Erinnerungen an die Burg Hohnstein als Erinnerungs- und Gedenkort. Geplant ist die Veröffentlichung einer Chronik über die Geschichte des Gedenkens und Erinnerns an das KZ seit 1945.
https://slag-aus-ns.de/zitate/burg-hohnstein-zeitzeugnisse-gesucht/

Katharina Wüstefeld und Steffen Richter (AKuBiZ e. V.)

8. Mai: Tag des Gedenkens! Tag des Feierns!

30. März 2025

Der 26. März 2025 ist ein historischer Tag für den Sächsischen Landtag. An diesem 26. März wurde eine alte Forderung der antifaschistischen wie der Friedensbewegung erfüllt. Mehrheitlich stimmte der Landtag einem Gesetzesentwurf der Linksfraktion zu, den 8. Mai zum offiziellen Gedenktag zu machen. 80 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus, 80 Jahre nach dem Ende des Kriegs in Europa, 80 Jahre nach der militärischen Niederschlagung des NS-Regimes. Eine gute Entscheidung, eine überfällige Entscheidung!

Und eine sehr notwendige Entscheidung, wenn wir den Kontext betrachten, in dem sie getroffen wurde. 55 Prozent der Deutschen wollen laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit ziehen. Seit 2020 ist damit ihr Anteil um zwei Prozent gestiegen. 28 Prozent der Befragten schließen sich der Aussage „Die Zeit des Nationalsozialismus wird viel zu einseitig und negativ dargestellt – sie hatte auch ihre guten Seiten“ „voll und ganz“ oder „eher“ an. Vor fünf Jahren waren es noch 22 Prozent.

Natürlich unterscheiden sich die ermittelten Werte nach der politischen Einstellung und der parteipolitischen Präferenz der Befragten. Wohl niemand wird erstaunt sein, dass die „Schlussstrich“-Mentalität bei den Anhänger*innen der AfD mit rund 90 Prozent am ausgeprägtesten ist. „Schuldabwehr, Schuldumkehr und Instrumentalisierung“ sind schon immer die Merkmale des rechten Geschichtsrevisionismus gewesen, so der Historiker Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Bei den Zustimmungswerten für die Forderung nach einen „Schlussstrich“ folgen das BSW mit 63% und die CDU/CSU mit 58%. Am geringsten ist der Anteil bei den Grünen (20%) und der Linken (28%). Für uns als VVN-BdA ist klar: es kann und darf angesichts der Shoa, angesichts des Völkermords an Sinti und Roma, angesichts des mörderischen Treibens deutscher Truppen in den überfallenen Ländern, angesichts der brutalen Unterdrückung jeder politischen, religiösen oder kulturellen Opposition niemals einen Schlussstrich gegen.

Dass wir dies nie zulassen dürfen, zeigen nicht zuletzt die aktuellen Entwicklungen in den USA. Donald Trump greift die Museen frontal an. Sie verbreiteten „unangemessene Ideologie“, vermittelten ein „falsches Geschichtsbild“. Unter der Vorgängerregierung habe es „konzertierte und weitverbreitete Versuche gegeben, die Geschichte unseres Landes umzuschreiben und Fakten durch ein verzerrtes Narrativ zu ersetzen, das eher von Ideologie als von Wahrheit bestimmt ist“, schrieb Trump in einem Dekret mit dem Titel „Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte“.

Dieser an das Orwell’sche „Neusprech“ erinnernde Titel des Dekrets wird in seiner geschichtsrevisionistischen Absicht vollends deutlich, wenn aus dem Text im O-Ton zitiert wird: „Das unvergleichliche Erbe unserer Nation, das Freiheit, Rechte des Einzelnen und das Glück der Menschen vorantreibt, wurde als rassistisch, sexistisch, unterdrückerisch oder anderweitig unrettbar mit Makeln behaftet dargestellt.“ Der Vizepräsident Vance solle dafür sorgen, dass künftig kein Geld mehr für Ausstellungen ausgegeben wird, mit denen „gemeinsame amerikanische Werte“ herabgesetzt würden.

Es ist ein neuer Krieg, ein anderer Krieg, in dem wir uns aktuell befinden. Ein Krieg, der immer virulenter wird. Die extreme Rechte bezeichnet ihn als „geistigen Bürgerkrieg“. Und sie ist entschlossen, ihn zu gewinnen. „In diesem Kampf geht es um nichts weniger als um die Deutungshoheit über Geschichte und Gegenwart“, so der Historiker Volker Weiß. Die extreme Rechte wolle Geschichte und Demokratie zerstören.

Es hatte 40 Jahre gedauert, bis der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 8. Mai die überfälligen Sätze sagte: Es „wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Weizsäcker ergänzte damals: „Schonung unserer Gefühle durch uns selbst oder durch andere hilft nicht weiter. Wir brauchen und wir haben die Kraft, der Wahrheit so gut wir es können ins Auge zu sehen, ohne Beschönigung und ohne Einseitigkeit.“ Viele allerdings können und wollen das bis heute nicht. Für sie ergänzte Weizsäcker schon damals: „Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.“

Ehrlichkeit! Ehrliche Auseinandersetzung mit der Geschichte! Genau sie ist das Gebot der Stunde, wenn die „faschistischen Lügen“ (Federico Finchelstein) sich durchzusetzen drohen. In diesem Sinne ist der Beschluss des Sächsischen Landtags, den 8. Mai zum Gedenktag zu erklären, ein Grund zu feiern.

Planungssicherheit für die Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit schaffen!

2. Februar 2025

Zur Bedrohung der Fortführung der Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit in Sachsen erklärt Kerstin Köditz, Sprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Sachsen:

Als Organisation, die das Erbe des antifaschistischen Widerstandes gegen das NS-Regime lebendig erhalten will, sieht die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – BdA Sachsen mit großer Sorge, dass ausgerechnet im 80. Jahr der Befreiung vom deutschen Faschismus die Weiterführung der Gedenkarbeit stark gefährdet ist. Für uns ist es ein Alarmzeichen, dass die Gedenkstätte Zwangsarbeit Leipzig mitgeteilt hat, dass sie künftig ihre Arbeit erheblich einschränken muss. Es handelt sich um die einzige Einrichtung im Freistaat, die sich mit diesem wichtigen Teil des Unterdrückungs- und Ausbeutungssystems der Nazis befasst. Wir müssen zudem feststellen, dass auch die Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen für Demokratie und gegen die extreme Rechte ernsthaft bedroht ist.

Wir appellieren deshalb eindringlich an die Staatsregierung wie auch an die kommunalen Verantwortungsträger, diese Arbeit abzusichern, indem so schnell wie möglich entsprechende Finanzierungszusagen gegeben werden. Die Gedenkstätten- und die Erinnerungsarbeit brauchen Planungssicherheit. Das gilt ebenso für die durch den Freistaat geförderten Projekte der Demokratie- und Integrationsarbeit.

Gerade in der jetzigen politischen Situation darf kein weiteres politisches Porzellan zerschlagen werden. Es würde sich nur sehr schwer wieder kitten lassen. Zitterpartien wie die jetzige um die Zukunft der finanziellen Förderung sind eines demokratischen Staates unwürdig. Wird in diesem Bereich nicht schnell und effektiv gegengesteuert, könnte sich bei den Aktiven der Eindruck verfestigen, dass die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano mit ihrer bitteren Feststellung „Wer gegen die Nazis kämpft, kann sich auf den Staat überhaupt nicht verlassen“ richtig gelegen hat. Das wäre fatal.

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten